Janssen-Cilag Schattauer Charité
Psychoedukation.net - das Internetportal für Patienten, Anhörige und Fachkreise

Wie kommt man an psychoedukative Gruppen heran?

Jeder Patient und alle Angehörigen haben ein Recht darauf, umfassend, anschaulich, laiengerecht und im gleichzeitigen Erfahrungsaustausch mit anderen Schicksalsgenossen über die Erkrankung und die erforderlichen Behandlungsmaßnahmen informiert und aufgeklärt zu werden. Und in der Fachwelt ist es heutzutage unumstritten, dass Psychoedukation notwendig und hilfreich ist.

Psychoedukative Gruppen werden vor allem in psychiatrischen Kliniken oder Tageskliniken durchgeführt. Aber es gibt auch - allerdings viel seltener - ambulante psychoedukative Gruppenangebote in psychiatrischen Praxen, in Institutsambulanzen der psychiatrischen Kliniken, bei sozialpsychiatrischen Diensten oder in anderen psychiatrischen und rehabilitativen Einrichtungen.

Jeder Psychiater oder Psychotherapeut sollte Bescheid wissen, ob und wo psychoedukativen Gruppen in der näheren Umgebung stattfinden. Auch über die einzelnen Selbsthilfeverbände von Patienten und Angehörigen (siehe auch unter Adressen/Links) können Adressen von Therapeuten oder Einrichtungen, die psychoedukative Gruppen anbieten, in Erfahrung gebracht werden.

Häufig liegt es am Engagement und dem Einsatz der Ärzte und Therapeuten, ob derartige Gruppen zustande kommen. Auch wenn die Ausbildungs- und Finanzierungsmöglichkeiten relativ beschränkt sind, so gibt es zunehmend mehr interessierte Ärzte, Psychologen und auch andere in der Psychiatrie tätige Fachleute, die sich diese Techniken angeeignet haben und regelmäßig Gruppen durchführen.

Dennoch werden noch nicht überall psychoedukative Gruppen routinemäßig angeboten. Patienten und Angehörige sollten daher nicht müde werden, ihr Recht auf psychoedukative Gruppen bei ihren Behandlern einzufordern.

Habe ich etwas Ähnliches schon einmal gemacht?



Der Begriff "Psychoedukation" wurde in der Psychiatrie erst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eingeführt. Er wurde aus dem Englischen übernommen, wodurch der internationale wissenschaftliche Austausch darüber erleichtert wurde. In der alltäglichen Praxis werden die psychoedukativen Gruppen vielfach unter anderen Bezeichnungen angeboten: sie heißen Infogruppe, Psychosegruppe, Angehörigengruppe etc.

Der Begriff "Psychose-Seminar" steht allerdings für einen anderen Typ von Gruppe. Im Psychose-Seminar versuchen die Betroffenen selbst im Austausch mit Angehörigen und interessierten Fachleuten Verständnis für "ihre Sicht der Dinge" zu gewinnen. In den Psychose-Seminaren zählt nicht allein das nüchterne Sachwissen, dort zählt vor allem die persönliche Stellungnahme, die Schilderung der jeweils ganz persönlich erlebten Erfahrungen mit Krankheit und Lebenskrisen. Hierzu gehört auch die Darstellung von persönlich erlebter Ungerechtigkeit, Kränkung usw. Ziel ist der offene, tolerante und gleichberechtigte Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Professionellen/Studierenden. Über das Mitteilen der persönlichen Erfahrungen und die Konfrontation mit anderen Sichtweisen soll der Wissenshorizont erweitert und eine umfassendere Vorstellung von diesem ungewöhnlichen Phänomen "Psychose" erreicht werden.

Psychoedukative Gruppen und Psychose-Seminare stellen keinen Widerspruch und keinen Gegensatz dar. Der Besuch von psychoedukativen Gruppen ist jedoch zu empfehlen, bevor an Psychose-Seminaren teilgenommen wird, um einen umfassenden Überblick über das derzeitige wissenschaftliche Krankheits- und Behandlungsmodell zu erhalten. Die Kombination von beiden Gruppenformen sollte dazu beitragen, dass der "Trialog" - das gemeinsame Gespräch zwischen Patienten, Angehörigen und professionellen Helfern - möglichst gewinnbringend und bereichernd für alle Seiten gelingt. Alle drei Parteien sollten sich gegen die gemeinsame Herausforderung "Schizophrene Erkrankung" verbünden, um den davon betroffenen Patienten und ihren Familien die allerbesten Behandlungs- und Gesundungschancen zu ermöglichen.

© Dr. med. Josef Bäuml u. Dipl.-Psych. Dr. Gabi Pitschel-Walz, 2004


Diese Website wird am besten mit dem Internet Explorer 5.0 oder höher dargestellt.
Mit dem Benutzen dieser Website erklären Sie sich mit unseren Nutzungs- und Haftungsbedingungen sowie unserer Datenschutzerklärung einverstanden. Diese Website richtet sich ausschließlich an Benutzer und Fachkreise in Deutschland. Impressum.
Diese Website wird von der Janssen-Cilag GmbH publiziert.
© Janssen-Cilag GmbH 2004-2010. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte Aktualisierung: 10 Mai 2008